Wohnoptionen

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Projektdaten

Zeitraum: 2019-2021
Auftraggeber: Wüstenrot Stiftung
Beteiligte:
Susanne DürrGerd Kuhn

Der Verlust linearer, lebenslang stabiler Lebensentwürfe und die Anforderungen an Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse, die wiederum zu einem häufigen Wechsel der Arbeitsorte führte, stellt gänzlich neue Anforderungen an das Wohnen. Der Wohnungsmarkt wird jedoch weiterhin von funktionalen Kleinwohnungen für die Kleinfamilie dominiert. Heute müsste sich die Dynamik des gesellschaftlichen Wandels in veränderten Wohnoptionen spiegeln.

Heute richten junge Menschen in der urbanisierten Gesellschaft ihre Lebenswelt nach den wechselnden Abhängigkeiten aus, wie häufigem Standortwechsel, unverbindlichem und temporärem Anspruch an den Ort mit temporären Sozialbeziehungen und verändertem Mobilitätsverhalten (ohne Auto). Die Grenzen zwischen Arbeiten und Wohnen werden fließend. Die Wohnbiographien sind daher diskontinuierlich, denn nicht langfristig verpflichtende Einbindungen in sozialen Netzwerken sind für die Alltagsbiographien prägend, sondern flüchtige, sich häufig situativ bildende Sozialbeziehungen. Daher sind etwa Vereinsmitgliedschaften keine Grundlage für Freizeitaktivitäten mehr, sondern niederschwellige, spaßorientierte Angebote mit Eventcharakter. Aber auch die Vorstellungen zum Leben im Alter wandeln sich – die Vielfalt von Entwürfen für diese Lebensphase, die Pluralität der Wünsche bildet sich bisher nur unzureichend in den Angeboten ab.

Die veränderten Lebenssituationen, die zu neuen Wohn- und Raumoptionen führen können, bilden die Ausgangssituation für die Forschung. Wenig sinnvoll erscheint das Beklagen der „fragmentierten Biographien“ und der ungewissen Lebenschancen, in denen die Menschen der 2. Moderne wie Seiltänzer über dem Abgrund schweben, nahe bei Höhenflug und Absturz (U. Beck). Es sollen vielmehr die Chancen der sich veränderten Erwerbs- und Lebensbedingungen reflektiert und die sich neu herausbildenden Wohnformen jenseits des Standards untersucht werden. Es stehen deshalb keine traditionell funktionalen Wohnformen mehr im Fokus. Perspektive der Forschung sollen veränderte Orts-, Zeit- und Raumbezüge sein. Welche neuen Möglichkeitsräume und Konfigurationen eröffnen sich durch die Aufhebung tradierter Wohnstandards? In die Untersuchung einbezogen werden sollen jene „digitalen Nomaden“, die ortsungebunden einer freien Erwerbstätigkeit nachgehen und neue Wohn- und Lebensformen praktizieren. Kein Gegenstand der Forschung werden die Wohnformen jener Menschen sein, die aus Arbeitsprozessen abkoppelt sind und kein Obdach mehr haben oder auf geschützte, unselbständige Wohnunterkünfte angewiesen sind.