Baugemeinschaft Wolle+

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Projektdaten

Jahr: 2020
Ort: Werkstr. 6 und 8, 72074 Tübingen
Auftraggeber: Baugemeinschaft wolle+

Architektur: Haus am Park: yonder (Katja Knaus), somaa (Tobias Bochmann) Kubus mit Brückenhaus: Simon Maier ASM Bauleitung: Bernd Wezel
Projektentwicklung: Gerd Kuhn

 

Beteiligte:
Gerd Kuhn

Der Name der Baugemeinschaft Wolle+ steht für „Wohnraum für alle“, das „+“ dafür, dass es um mehr als Wohnen geht! Von Beginn an wurde das Ziel verfolgt, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit und ohne Fluchthintergrund, mit wenig oder mit mehr materiellen Ressourcen, aus unterschiedlichen sozialen Schichten Wohnraum finden – und zwar nicht irgendwo, sondern mittendrin in der Stadt.

Demokratische Planungs- und Baukultur: Bauherren sind BürgerInnen und die Martin-Bonhoeffer-Häuser (Tübinger Verein für Sozialtherapie e.V.) als sozialen Träger, die gemeinsam in enger Abstimmung mit den Behörden das Projekt entwickelten, finanzierten und bauten.

Wolle+ wollte immer mehr sein als nur ein guter Wohnort. Zentral erschien allen beteiligten Akteuren, dass ein lebendiger Ort entstehen muss, an dem ein Austausch stattfindet und unsere Werte gelebt werden. Es sollte also kein begrenzter Gemeinschaftsraum einer Baugruppe, sondern ein offener Raum entstehen. Der Arbeitsbegriff „Quartiers-Wohnzimmers“ wird jetzt durch das „Brückenhaus“, als Ort zwischen verschiedenen sozialen Welten, ersetzt.

Wichtig war der Baugemeinschaft die „soziale Orchestrierung“: Schon in der Planungsphase wurden die unterschiedlichsten Akteure einbezogen. In der Baugemeinschaft fanden sich unterschiedliche aktive Bürger zusammen. Das Brückenhaus wird von Vielen getragen. Es ist ein sehr lebendiges Zusammenspiel von sozialen Trägern, Planern, privaten Investoren und Bauherren, Kommune und Planungsabteilung, Stadtgesellschaft, Initiativen, bürgerschaftlich Engagierten und sozialen Mittelgebern. Nur so kann Ort für Demokratie und Teilhabe entstehen.

Die BG Wolle+ will Wohnvielfalt ermöglichen. Es gibt Wohnformen als Anschlusswohnraum für Geflüchtete, Wohnungen für Wohlhabendere und Studenten, soziale Clusterwohnungen für Alleinerziehende und Mikroappartements für Jugendliche.Das Brückenhaus im Kubus dient dem Gemeinwesen. Es ist ein multifunktionaler Raum, der je nach Nutzung abgeteilt und erweitert werden kann. Als gebauter Ort der Demokratie passt er sich den sozialen Anforderungen an und ist transparent. Auf einer Fläche von ca. 180 qm sind unterschiedliche Räume möglich. Kontaktbüro für Beratung, Café für Begegnungen, Vorträge, Spiel, Kochen, Rückzugsmöglichkeiten zum vertraulichen Gespräch. Große Fenster schaffen Ein- und Ausblicke. Die Terrasse des Brückenhauses geht schwellenlos in den gemeinsamen Innenhof über, der auch im Freien zu Gespräch und zum Spielen dient. Zwei Hochbeete (Interkulturelle Gärten) regen zum gemeinsamen Gärtnern an.
Das Brückenhaus ist ein Ort der Transition und Vernetzung. Es schafft Verbindungen nicht nur zwischen den Häusern der Baugemeinschaft und Postbau; sondern auch zwischen Bewohner*innen aus kontrastreichen Quartieren: Diesseits des Neckars ein stark bürgerlich-akademisch geprägtes Quartier, jenseits des Neckars einfache Wohnungen mit der höchsten Sozialbelastungen (Armut, Migration, Familien mit vielen Kindern).